Mit dem Landesabitur 2027 tritt in Hessen ein neues Kerncurriculum für den Biologie Grund- und Leistungskurs in Kraft. Während zentrale Inhalte der Genetik erhalten bleiben, wurden zahlreiche Themen neu strukturiert und anderen Kurshalbjahren zugeordnet. Besonders betroffen sind die Qualifikationsphasen Q2 bis Q4. Darüber hinaus orientiert sich das Curriculum konsequenter an den bundesweiten Bildungsstandards der Kultusministerkonferenz (KMK) sowie am Abituraufgabenpool des Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB).
Das neue Curriculum sieht wie folgt aus:
Q1 Phase: Genetik und Gentechnik (bestehend)
Q2 Phase: Evolution (neu), Neurobiologie (bestehend)
Q3 Phase: Ökologie und Stoffwechselphysiologie (bestehend)
Q4 Phase: Ökologie & Nachhaltigkeit (neu)
In den bestehenden Bereichen gibt es ebenfalls thematische Änderungen. Daher die klare Empfehlung, sich bei der Vor- und Aufbereitung der Themen akkurat an das neue Curriculum zu halten und es detailliert aufzuarbeiten.
Das neue Curriculum finden Sie hier: https://kultus.hessen.de/sites/kultus.hessen.de/files/2025-10/kerncurriculum_gymnasiale_oberstufe-biologie.pdf
Den Abiturerlass finden Sie hier: https://kultus.hessen.de/sites/kultus.hessen.de/files/2025-07/abiturerlass_la_2027.pdf
Eine Vergleichstabelle zwischen dem alten und dem neuen Curriculum für Biologie Grund- und Leistungskurs Hessen wurde mithilfe KI-gestützter Auswertung erstellt:
| Halbjahr | Altes Curriculum | Neues Curriculum | Veränderung |
| Q1 | Genetik und Gentechnik | Genetik und Gentechnik | Gesamtthema bleibt erhalten |
| Q1.1 | Von der DNA zum Protein | Speicherung und Realisierung genetischer Information | Themenfeld wird umbenannt und systematischer gefasst. Weiterhin zentral sind DNA, Replikation, Proteinbiosynthese und der Zusammenhang zwischen genetischer Information und Protein beziehungsweise Merkmal. |
| Q1.2 | Gene und Gentechnik | Gene und Gentechnik | Titel bleibt erhalten. Im neuen Curriculum werden moderne molekulargenetische Methoden und die Regulation der Genaktivität stärker in dieses Themenfeld integriert. |
| Q1.3 | Humangenetik | Humangenetik | Inhalt weitgehend unverändert |
| Q1.4 | Anwendungsgebiete der Gentechnik und gesellschaftliche Herausforderungen | Anwendungsgebiete der Gentechnik und gesellschaftliche Herausforderungen | Unverändert (Wahl-/Ergänzungsthema) |
| Q1.5 | Modelle zur Steuerung der Genaktivität | Modelle zur Steuerung der Genaktivität | Unverändert (Erweiterungsthema) |
| Q2 | Ökologische und stoffwechselphysiologische Zusammenhänge | Evolution: Informationsverarbeitung in Lebewesen | Vollständige Neustrukturierung des Halbjahres |
| Q2.1 | Strukturierung von Ökosystemen | Entstehung und Entwicklung des Lebens | Ökologie wandert nach Q3. Inhalte aus dem alten Q4 zur Evolution werden nach Q2 verschoben und neu zusammengefasst. |
| Q2.2 | Grundlegende Stoffwechselprozesse: Fotosynthese und Grundlagen der Zellatmung | Spanungsfeld Evolutionstheorie | Stoffwechselphysiologie wandert nach Q3. Das alte Q4.5 „Spannungsfeld Evolutionstheorie“ wird Q2.2. |
| Q2.3 | Wechselbeziehungen zwischen Umwelt und Mensch | Neurobiologie | Inhalte des alten Q3.1 werden in Q2 übernommen. |
| Q2.4 | Populationsdynamik | Sinnesorgane und Gehirn | Inhalte des alten Q3.4 werden in Q2 übernommen. |
| Q2.5 | Biodiversität | Entfällt | Biodiversität wird nach Q4 verlagert |
| Q3 | Neurobiologie und Verhaltensbiologie | Strukturen und Zusammenhänge in Ökosystemen; stoffwechselphysiologische Zusammenhänge | Neurobiologie wandert nach Q2. Ökologie und Stoffwechselphysiologie aus dem alten Q2 werden nach Q3 verschoben |
| Q3.1 | Neurobiologie | Strukturen und Zusammenhänge in Ökosystemen | Das alte Q2.1 wird erweitert und zu Q3.1 |
| Q3.2 | Verhaltensbiologie | Grundlegende Stoffwechselprozesse: Photosynthese und Grundlagen der Zellatmung | Das alte Q2.2 wird weitgehend unverändert zu Q3.2 |
| Q3.3 | Neurologische Erkrankungen | Adaptationen von Pflanzen und Tieren an ihre Umwelt | Neues zusammenfassendes Themenfeld zu physiologischen, anatomischen und ökologischen Anpassungen |
| Q3.4 | Sinnesorgane und Gehirn | Entfällt in Q3 | Wird in das neue Q2.4 verschoben |
| Q3.5 | Humanethologie | Entfällt als eigenständiges Thema | Humanethologie und die frühere Verhaltensbiologie sind im neuen Curriculum nicht mehr als eigene Themenfelder ausgewiesen. |
| Q4 | Evolution | Einfluss des Menschen auf Ökosysteme; Nacchhaltigkeit, Biodiversität | Evolution wandert nach Q2. Q4 wird vollständig neu ausgerichtet |
| Q4.1 | Evolutionsgedanken, Evolutionsmechanismen und die Entstehung neuer Arten | Einfluss des Menschen auf Ökosysteme; Nachhaltigkeit, Biodiversität | Anthropogene Umweltveränderungen, Nachhaltigkeit und Biodiversität werden zum zentralen Q4-Themenfeld. |
| Q4.2 | Evolution des Menschen | Dynamik von Lebensgemeinschaften | Populations- und Gemeinschaftsökologie werden in Q4 vertieft. |
| Q4.3 | Hypothesen zur Entstehung des Lebens | entfällt als eigene Nummer | Inhalt wird in das neue Q2.1 „Entstehung und Entwicklung des Lebens“ integriert. |
| Q4.4 | Entwicklung der Evolutionstheorie | entfällt als eigene Nummer | Evolutionsgeschichtliche Inhalte werden in Q2.1 beziehungsweise Q2.2 zusammengeführt. |
| Q4.5 | Spannungsfeld Evolutionstheorie | Q4.1 | Der neue Themenkomplex zu anthropogenen Einflüssen, Nachhaltigkeit und Biodiversität ist verbindlich. |
Bewertung und Kommentierung des neuen Curriculums für Biologie Grund- und Leistungskurs in Hessen
Der Vergleich der beiden Kerncurricula zeigt, dass die Änderungen deutlich über eine reine Umstrukturierung einzelner Themen hinausgehen. Während das erste Kurshalbjahr mit dem Themenkomplex Genetik und Gentechnik weitgehend erhalten bleibt, wurden die Inhalte der übrigen Qualifikationsphase neu geordnet.
Die größte Veränderung betrifft die Verschiebung ganzer Themengebiete zwischen den Kurshalbjahren. Evolution, die bislang im vierten Kurshalbjahr behandelt wurde und nicht relevant für die Abiturprüfung war, wird künftig bereits in Q2 unterrichtet und mit Inhalten der Neurobiologie kombiniert. Im Gegenzug werden die bisherigen Themen der Ökologie und Stoffwechselphysiologie aus Q2 nach Q3 verlagert. Das neue Q4 konzentriert sich auf den Einfluss des Menschen auf Ökosysteme sowie auf Nachhaltigkeit und Biodiversität.
Neben dieser inhaltlichen Neuordnung wird eine stärkere Vernetzung biologischer Zusammenhänge deutlich. Evolution, Informationsverarbeitung, Ökologie und Nachhaltigkeit werden nicht mehr weitgehend unabhängig voneinander behandelt, sondern bauen inhaltlich stärker aufeinander auf. Gleichzeitig gewinnen kompetenzorientierte Aufgabenstellungen und die Anwendung biologischer Konzepte auf neue Fragestellungen weiter an Bedeutung.
Aus fachlicher Sicht ist insbesondere die stärkere Berücksichtigung aktueller Themen wie Nachhaltigkeit, Biodiversität und anthropogener Einflüsse auf Ökosysteme zu begrüßen. Dadurch wird der Bezug zwischen schulischer Biologie und aktuellen wissenschaftlichen sowie gesellschaftlichen Fragestellungen gestärkt.
Aus Sicht der Abiturvorbereitung stellt die Einbeziehung der neuen Q4 Inhalte in die schriftliche Abiturprüfung die bedeutendste Änderung dar. Bislang konnte das vierte Kurshalbjahr in weiten Teilen für die systematische Wiederholung der Inhalte aus Q1 bis Q3 genutzt werden. Mit dem neuen Curriculum muss Q4 nun gleichzeitig zur Erarbeitung neuer abiturrelevanter Inhalte und zur Wiederholung des bereits behandelten Stoffes genutzt werden. Dies erfordert eine frühzeitigere und kontinuierlichere Vorbereitung über die gesamte Qualifikationsphase hinweg.
Wie sich die neuen Schwerpunkte im Unterricht sowie in den ersten schriftlichen Abiturprüfungen des Landesabiturs 2027 tatsächlich widerspiegeln werden, lässt sich derzeit noch nicht abschließend beurteilen. Die veröffentlichten Kerncurricula geben jedoch bereits eine klare Richtung hinsichtlich der zukünftigen Schwerpunktsetzung vor.
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Foto von Hassaan Here auf Unsplash
